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Metropolit Augoustinos von Deutschland (German)

Metropolit Augoustinos von Deutschland

Exarch von Zentraleuropa

Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD)

 

GRUSSWORT

BEI DER ERÖFFNUNG DER ZWEITEN INTERNATIONALEN TAGUNG

ZUR RELIGIÖSEN FREIHEIT IN DER TÜRKEI

"TEARING DOWN WALLS:

ACHIEVING RELIGIOUS EQUALITY IN TURKEY"

VERANSTALTET VON DEN ARCHONTEN

DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHATS IN DEN USA

(Berlin., 4. Dezember 2013)

 

Eminenzen, Exzellenzen,

verehrte Herren Botschafter,

verehrte Archonten des Ökumenischen Patriarchats,

meine Damen und Herren,

gestatten Sie mir als Metropolit von Deutschland und als Vorsitzendem der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), welche weit über einer Million orthodoxer Christen in diesem Land eine geistliche Heimat bietet, Sie alle von Herzen willkommen zu heißen. Ich freue mich, dass es Ihnen, verehrte Archonten des Ökumenischen Patriarchats, erneut gelungen ist, eine so bedeutende Tagung hier in Berlin zu veranstalten, und bin überzeugt, dass es Ihnen auch dieses Mal gelingen wird, wichtige Denkanstöße zu erarbeiten .

Man sagt den orthodoxen Christen nach, dass Sie eine besondere Art des Umgangs mit der Zeit haben. Die Vergangenheit sei für sie niemals vollkommen vergangen und die Zukunft sei nicht nur zukünftig, sondern bereits in der Gegenwart präsent. Vielleicht erklärt sich so ja auch die besondere Aufmerksamkeit, die sie Jahrestagen und Jubiläen schenken.

Ein solches Jubiläum gilt es auch in diesem Jahr zu feiern, in welchem 1700 Jahre vergangen sind, seitdem Kaiser Konstantin – gemeinsam mit seinem Mitkaiser Licinius – im Jahre 313 das so genannte Edikt von Mailand erließ, das den Bürgern des Römischen Reiches die Religionsfreiheit zusicherte. Man hat dieses Edikt zu Recht als Meilenstein der Weltgeschichte bezeichnet, da es diese nachhaltig geprägt hat. Ich meine damit nicht nur den Übergang des Christentums von einer verbotenen, subversiven Weltanschauung zu einer tolerierten Religion, sondern insbesondere auch die Einführung des Prinzips der religiösen Toleranz, das bis heute aktuell und kulturtragend ist. Dass man Kaiser Konstantin „den Großen" genannt hat, ist deshalb durchaus angebracht und nachvollziehbar.

Ebenso nachvollziehbar ist, dass eine Tagung, welche das „Niederreißen der Mauern" in ihrem Titel trägt, eigentlich nur in Berlin stattfinden kann. Denn wir haben es ja erlebt, wie die unsägliche Teilung Deutschlands durch das Niederreißen der Berliner Mauer, ein paar Meter von hier entfernt, beendet wurde, und ich darf Ihnen allen, die Sie aus der Ferne hierher gekommen sind, versichern: dies waren Momente, die wir Zeitzeugen nie vergessen werden.

Und noch ein weiterer Grund spricht dafür, dass eine Tagung, die sich mit der Türkei beschäftigt, in Berlin stattfindet. Schließlich leben in dieser Stadt Tausende von Bürgerinnen und Bürgern türkischer Provenienz, die zur kulturellen Vielfalt der Bundeshauptstadt beitragen. Man sagt, ca. 6 % der Berliner Bevölkerung stamme aus der Türkei und in Berlin lebe die zahlenmäßig größte türkische Community außerhalb der Türkei. Das Vorhandensein dieser großen Gruppe von Migranten ist deshalb nicht nur Forschungsgegenstand für Soziologen und Kulturwissenschaftler, sondern auch ein täglich neu zu realisierendes Projekt religiöser Toleranz und Vielfalt.

Wenn wir bei dieser Tagung über die Türkei sprechen werden, meine Damen und Herren, können Sie sich deshalb dessen sicher sein, dass hierzulande zwei Dinge zusammenkommen: die räumliche Distanz, die den Blick auf eine differenzierte Außensicht freigibt, und die Empathie jener, die ein jahrzehntelanges Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen kennen, ja vielfach auch selbst erlebt haben.

Gestatten Sie mir an dieser Stelle deshalb noch einen Hinweis: in den letzten Wochen wird in den Medien über den Vorschlag berichtet, die Hagia Sophia wieder zu einer Moschee zu machen. Ich bin in dieser Frage der Meinung, dass ein derartiger Schritt nicht nur ein Anachronismus wäre, sondern auch das Aufgeben eines Erfolgsmodells bedeuten würde. Schließlich hatte die Türkische Republik in dieser Angelegenheit sozusagen die Quadratur des Kreises geschafft, indem sie dieses Weltkulturerbe, das für zwei monotheistische Religionen wichtig, ja heilig ist, der gesamten Menschheit als Museum zur Verfügung stellte. Ich bin davon überzeugt, dass eine Umwandlung dieses Gebäudes in eine Moschee einen enormen Prestigeverlust für die Türkei und eine irreparable Schädigung ihres Ansehens in der Welt zur Folge haben würde. Ich gestatte mir diese Bemerkung gerade wegen der soeben angesprochenen Verbindung zwischen erforderlicher Außensicht und vorhandener Empathie.

In diesem Sinn wünsche ich unserer Tagung viel Erfolg.